Antigone Op. 55 (Felix Mendelssohn)

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  • (Posted 2016-11-24)   CPDL #42026:  Network.png
Contributor: Paolo Pandolfo (submitted 2016-11-24).  Score information: A4, 70 pages, 3.91 MB   Copyright: CPDL
Edition notes: Scan of Peters vocal score.

General Information

Title: Antigone Op. 45
Composer: Felix Mendelssohn
Lyricist: Sophoclescreate page tr. Johann Jakob Christian Donner (1799–1875) and August Böckh (1785–1867)

Number of voices: 8vv   Voicing: TTBB.TTBB (plus spoken roles)
Genre: SecularIncidental music

Language: German
Instruments: Orchestra

First published:

Description: Directed in 1851 by Ludwig Tieck.

External websites:

Original text and translations

German.png German text

I. Strahl des Helios, schönstes Licht,
das der siebenthorigen Stadt Thebe's nimmer zuvor erschien!
Du strahlst endlich des gold'nen Tags Aufblick herrlich herauf,
über Dirke’s strömende Fluthen wandelnd.
Und Ihn, der mit leuchtendem Schild Kam von Argos in voller Wehr,
triebest du flüchtig in eilendem Lauf
fort mit hastigem Zügel.
Der, durch Polyneike‘s feindlichen Zwist
zu dem Kampfe geführt auf unsere Gau‘n,
mit scharfem Getön, wie ein Adler daherflog über das Land,
von der Schwinge gedeckt, hellglänzend wie Schnee,
mit der Rüstungen viel und mähnerumflatterten Helmen.

Über unserem Dach umgähnt
er den siebentorigen Mund
mit blutlechzenden Speeren rings, und floh,
ehe mit unserm Blut er voll Gierde den Schlund
füllen mocht' und ehe der Thürm Umkränzung
tilgt Hephästos in Fackelglut.
Also tost' im Rücken ihm her
Ares' Gewühl, schwer wurde sein Kampf,
denn ihn drängte der Drache.

Ja schwer hasst Zeus grosssprechender Zung' aufblähenden Stolz,
und als er ihr Heer, den heranwogenden Strom,
schimmernd in Gold im Geräusch unbändigen Trotzes ersah,
da traf er den Mann mit geschwungenem Strahl,
der schon an die Höhn, Siegesruf zu erheben, empor drang.

II. Niedergeschmettert zur dröhnenden Erde stürzt er,
welcher, bewehrt mit der Fackel in trunk‘nem Wahnsinn,
In wutschnaubendem Drang,
uns anblies mit feindlichem Hauch,
doch es ging anders aus.
Andern verhängt' andere Loos',
Ares, der wildwirrende Treiber,
schaltend zur Rechten.

Denn die Sieben, um sieben der Thore gestellt,
Mann wider den Mann, sie liessen die Wehr,
rings starrend von Erz, dem besiegenden Zeus.
Nur die zweite voll Grimm, Aus demselbigen Blut,
aus demselbigen Schoos,
die gegen sich selbst die gewaltigen Speer' erhoben,
umfing des gemeinsamen Todes Verhängniss!

Aber die namenverleihende Nike kam ja Gnädig vergeltend,
der wagenberühmten Thebe,
deshalb denkt nach dem Kampf ihr auch Nicht des jetzigen mehr!
Lasst in Nachtreigen uns tanzend umherzieh'n zu der Stadt Tempeln,
voran hebe sich Bacchus Theben erschütternd!

Doch hier naht uns des Menökeus Sohn, Kreon der neuwaltende Herrscher, Erregt von dem neuen Geschick, Das Götter verhängt.

Ihm wogt ein hoher Gedank' in der Brust, weil eben der Greis' ehrwürdigen Rath er hierher lud zum Versammlungsort, durch Heroldsruf sie bescheidend.

Vieles Gewaltige lebt, und nichts ist gewaltiger als der Mensch,
drum selbst über die dunkele Meerflut zieht er, vom Süd' umstürmt,
hinwandelnd zwischen den Wogen den ringsumtosten Pfad.
Er müdet ab die höchste Göttin, Gäa die ewige, nie zu ermattende,
während die Pflüge sich wenden von Jahr zu Jahr,
mit der Rosse Stamm sie furchend.

Flüchtiger Vögel leichte Schaar und wildschwärmendes Volk im Wald,
Tier' auch, welche das Meer erzog, fängt er, listig umstellend, ein.
In netzgesponnener Windung, der vielerfahrene Mensch;
Gewandt bezwingt er auch des Landes Berge durchwandelndes Wild,
und den mähnigen Nacken umschirrt er dem Ross mit dem Joche rings,
auch dem unbezwung‘nen Bergstier.

Und das Wort und den luftigen Flug des Gedankens erlernt' er,
ersann staatordnende Satzungen, weiss dem ungastlichen Froste des Reifes,
und Zeus' Regenpfeilen zu entflieh'n.
Überall weiss er Rat, ratlos trifft ihn nie das Künftige.
Nur nicht den Tod ward zu flieh'n ihm vergönnt,
doch schwere Krankheit bannt er durch sich‘re Heilung.

In Erfindungen listiger Kunst, wohl über Verhoffen gewandt,
neigt bald er zum Argen, zum Guten bald,
achtet hoch der Heimat Gesetz
der Götter schwurheilig Recht.
Segen der Stadt! Aber zum Fluch lebt ihr,
wer gesellt dem Laster voll Trotz sich bläht;
nicht an einen Heerd mit mir gelange,
noch in meinen Rat solch ein Frevler!

Was seh' ich? Erscheint von den Göttern gesandt dies Wunder?
Ich weiss, wie läugnet' ich's noch, dass die Jungfrau dort Antigone sei.
Unglückliches Kind von dem Unglücksvater, dem Oedipus, ach! was ahnt mir?
Führen sie Dich hierher, weil du die Gebote des Königes brachst,
und ergriffen dich über dem Wagstück?

Ihr Seligen, deren Geschick nie kostet Unheil!
Wem sein Wohnhaus Götter erschütterten, niemals lässt der Fluch ihn,
von Geschlecht zu Geschlecht sich wälzend.
So wie das aufgeschwollene Meer, wann vom Thrakersturm erregt,
machtvoll es in die umdüsterte Tief' hinab sich wälzt,
vom Abgrund auf den schwarzen Meersand wühlt,
und dumpf im stöhnenden Orkan,
die flutgeschlag'nen Ufer tosen.

Wohl seh' ich in Labdakos' Haus uraltes Leiden
fort und fort auf's Leid der Geschied'nen sich häufen,
nicht Befreiung schafft ein Geschlecht dem Geschlecht,
hinab stürzt ein Gott sie, löst nicht ihren Fluch.

Denn die letzte Wurzel, der glücklicheres Licht
erstrahlt in dem Haus des Oedipus,
auch die mäht nun der Todesgötter blutigrote Sichel ab.
Des Sinnes Torheit, und der Seel' Erinnys.

Wer mag deine Gewalt, o Zeus,
kühn aufhalten im frevlem Hochmut?
Die nimmer der Schlaf fesselt,
der Allentkräfter, nimmer der Götter rasche Monden.
In nie alternder Zeit bewohnst du des Olympos lichten strahlenden Gipfel.
Herrscher! Für vergangene Zeit und Zukunft,
und jetzo bestehet dies Gesetz:
nimmer nahet im Leben das Glück
lauter und frei vom Leide.

Denn die schweifende Hoffnung
bringt oft wohl vielen der Männer Segen,
doch vielen der leichtsinnigen Wünsche Täuschung;
manchen beschleicht sie arglos,
bis er den Fuss senget an heißer Flamme.
Das gepries'ne Wort drum scholl von des Weisen Munde,
es bedünke Böses gut oft dem, welchem ein Gott
den Sinn in das Verderben lenke.

Nur flüchtige Zeit wandeln wir frei von Leide.
Sieh, Hämon erscheint, der Deinem Geschlecht am letzten entspross;
wohl über das Loos der verbundenen Braut
Antigone naht er von Jammer erfüllt,
um der Hochzeit Raub sich betrübend.

O Eros, Allsieger im Kampf!
O Eros, einstürmend in Herden,
der Nachts auf schlummernder Jungfrau'n
zartblühenden Wangen webet!
Du schweifst ob Meerfluten,
besuchst hirtliche Wohnstätten;
kein unsterblicher Gott kann dir entrinnen,
kein Sterblicher auch,
des Tages Sohn, der Ergriffne raset.

In böse Schuld lockst du den Sinn des edlen Mann's,
ihn zu verderben.
Auch diesen Hader erregtest du bei den verwandten Männern.
Im Blick der holdseligen Braut waltet der Sehnsucht Macht siegreich,
die in dem Rath der höchsten Gesetze thront,
und es gewinnt im Spiele den Sieg Aphrodite kampflos.

Auch mich führt schon was ich anseh'n muss,
weit über die Bahn des Gesetzes hinaus,
nicht länger bezwing' ich der Tränen Erguss,
da ich sehe, wie nun Antigone dort in das alles verschlingende Grab eilt.

Doch würdig des Ruhms und mit Lobe geschmückt,
wandelst du hin dort in der Todten Gemach, nicht zehrende Krankheit raffte Dich hin,
noch traf dich ein Schwert, das Rache gezückt; nach eigener Wahl, und lebend,
allein von den Sterblichen gehst Du zum Hades.

Ja, sie war Göttin, göttlichen Stamm's; wir Sterbliche nur aus Menschengeschlecht.
Doch groß ist auch des Geschiedenen Ruhm, ein Loos mit Göttern zu theilen.

Vorschreitend bis zu des Mutes Ziel, stiessest du an Dike's hohen Thron gewaltig an,
verwegnes Kind! Du kämpfst wohl aus den Kampf des Vaters!

Fromm handelt, wer die Todten ehrt, doch dessen Macht, dem Macht gebührt,
zu verachten, ziemt sich nimmermehr; Ja, dich stürzt ei ne Wahl in's Unheil!

Auch der Danae Reiz musste des Himmels Lichtstrahl einst
mit der Nacht tauschen im erzdichten Haus,
und verborgen im grabähnlichen Ruhgemach wohnen.
Und doch war sie, o Kind, war von Geburt edel,
und trug hegend im Schoß goldener Saat Ströme von Zeus.
Ja, wohl ist des Geschick’s Obergewalt furchtbar.
Nicht kann der Reichtum, Ares nicht, kein Turm ihr,
noch das dunkle Schiff entflieh'n, das rings die Wog' umbrauset.

Dryas' zornigen Sohn, Herrn der Edonen, als er wider den Gott frevelte, hohnlachend band Dionysos,
in felsstarrende Kluft ihn einzwängend.
Also schwindet in Nichts eitelen Wahnsinnes wildaufbrausende Kraft;
jener empfand's, dass er den Gott mit Hohnworten
in wahnsinnigem Mut reizte, denn gottentzückter Frauen Schwarm,
die Glut des Evios wehrt' er ab, und höhnt' euch, flötenfrohe Musen.

An der kyanischen Fluth des verschwisterten Meeres hin
dehnt sich Bosporos' Strand und der thrakische Salmydessos,
wo Ares, im Land waltend als Gott an Phineus' zwei Söhnen schaute die grause Wunde,
nachdem die ruchlose Gattin blendend der Augen Sterne beiden nicht mit dem Speere, nein,
ergrimmt ausstach mit blut'gen Händen, mit ihres Webschiffes scharfen Spitzen.

Und es vergingen im Leiden die Elenden, über ihr Elend weinend,
entsprossen dem Unglücksbund der Mutter,
die doch an dem uralten Geblüt des Errechtheus Theil hatte,
und bei den väterlichen Sturmwinden aufwuchs in fernen Grotten,
die rossereilende Boread' auf steilen Höh'n, ein Gottkind:
Doch auch sie bestürmte die Macht der uralten Moira, Tochter!

Vielnamiger! Wonn' und Stolz der Kadmosjungfrau,
du des stark erdonnernden Zeus Geschlecht!
[Schwärmend Dich im Chortanz,] du Schutz der herrlichen Italia,
des gemeinsamen Meerbusens Herrscher am Strand, wo auch Deo thront!
Hör' uns! Baccheus! in Thebe, der Bacchanten Stadt,
wohnend an Ismenos feuchtem Gewässer, vereint der Saat des wilden Drachen!

Soli (Tenor I & II, Bass I & II):
Auf dem Felsen mit dopplem Haupt sieht dich des Blitzes Flamme,
wo korykische Mädchen froh der Bacchen Tanz begeh'n;
dich sieht der Born Kastalias, dich feiern nysischer Berg' Anhöh'n, Epheus voll!

Soli und Chor I & II
Dir singt grüner Strand, traubenbekränzt,
Dich grüßt mit festlichem Hall ein Chor heiliger Lieder,
so oft du Thebe's Gassen heimsuchst.
Hör' uns! Baccheus!

Die Stadt, die Du stets hoch vor allen Städten verehrst; Hör' uns! Baccheus!
Sammt der Mutter, die im Blitz dich empfing; auch nun, da so gewaltig grause Noth,
die gesammte Stadt ergriff, komm' rettend über des Parnassos Höh'n daher,
oder durch das Gestöhn des Meeres! Hör' uns, Baccheus!

O du glutaussprüh'nder Gestirn' Anführer, der Nacht Jubeltönen vorgesetzt!
Zeus entspross'ner Knabe!
Baccheus! Hör uns!
Im Gefolg der naxischen, der entzückten Mägde, komm!
Komm! komm, die ganz die Nächte hindurch
schwärmend dich im Chortanz, den Herrscher Jacchos, feiern!
Hör' uns, Baccheus!

Hier kommt er ja selbst, der Gebieter heran,
in den Armen das lautredende Denkmal nicht fremden Vergeh‘ns,
nein, eigener Schuld, wenn mir es zu sagen vergönnt ist!

Weh' mir! Wie solltest du so spät das Rechte sehn!

Du kannst es sehen: nimmer birgt's im Hause sich!

Gewinn begehrst du, wenn Gewinn im Leiden ist,
wohl ist's am besten,
Währt der Schmerz nur kurze Zeit!

Das bringt die Zukunft; was verlangt die Gegenwart?
Für jene sorgt ja, wem dafür zu sorgen ziemt!

Erflehe nichts, Herr! Gibt es doch für Sterbliche niemals Erlösung
aus der vorbestimmten Not!

Viel köstlicher ist als Glückesgenuss der bedächtige Sinn;
stets hege darum vor dem Göttlichen Scheu!
Der Vermessene büßt das vermessene Wort mit schwerem Gericht,
dann lernt er wohl noch weise zu werden im Alter.