Hör mein Gebet und lass zu dir, SWV 200 (Heinrich Schütz)

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1628 Version: (MS) (OS)       Score information: A4, 2 pages, 64 kB   
1661 Version: (MS) (OS)       Score information: A4, 2 pages, 74 kB   
Editor: Gerd Eichler (submitted 2019-12-07).   Copyright: CPDL
Edition notes: Transcribed from original prints. Continuous barlines are in the original score. Original Note values retained, clefs modernized. MS = modernized spelling, OS = original spelling. MusicXML source file is in compressed .mxl format.
  • (Posted 2017-09-20)   CPDL #46412:         
Editor: James Gibb (submitted 2017-09-20).   Score information: A4, 1 page, 36 kB   Copyright: CPDL
Edition notes: Transcribed from the Blankenburg edition on IMSLP. MusicXML source file is in compressed .mxl format.

General Information

Title: Hör mein Gebet und lass zu dir, SWV 200
Composer: Heinrich Schütz
Lyricist: Cornelius Becker

Number of voices: 4vv   Voicing: SATB
Genre: SacredChorale

Language: German
Instruments: A cappella

First published: 1628 in Psalmen Davids, Op. 5. Revised by Schütz in 1661, no. 102
  2nd published: 1894 in Heinrich Schütz: Sämtliche Werke, Volume 16, no. 102
  3rd published: 1957 in Neue Schütz-Ausgabe, Volume 6, p. 102
Description: Psalm 102 from the Becker Psalter.

External websites:

Original text and translations

Original text and translations may be found at Psalm 102.

German.png German text

Modernized spelling:
1  Hör mein Gebet und lass zu dir,
Ach, Herr Gott, kommen mein Geschrei,
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
In Not dein Ohren zu mir neig,
Wenn ich anruf, bald mich erhör,
Denn meine Tag vergangen sind,
Gleichwie die Luft den Rauch verzehrt,
Das Feur deins Zorns hat mich entzündt.

2  Zerschlagen ist mein traurigs Herz,
Verdorrt wie Gras auf dürrer Heid,
Dass ich vergess für großem Schmerz,
Mein Brot zu essen in dem Leid,
An meinem Fleisch klebt mein Gebein,
Vor Heulen und vor Seufzen schwer,
Ich muss wie eine Rohrdommel sein,
Die in der Wüsten streicht umher.

3  Gleichwie ein Käutzlein schreit des Nachts,
Das in verstörten Städten wohnt,
Also mein Herz ist immer wach,
Kein Schlaf in meine Augen kommt,
Gleichwie ein Vogel auf dem Dach
Ganz traurig sitzt in Einsamkeit,
Also muss ich täglich in Schmach
Zubringen mein betrübte Zeit.

4  Ich bin der Feinde Hohn und Spott,
Bei meinem Elend schwörn sie frisch,
Denn ich wie Aschen ess mein Brot,
Mit Weinen ich mein Trank vermisch,
Das macht, o Gott, dein Zorn und Grimm,
Der du zu Ehren mich erhöhst
Und doch so bald mit Ungestüm
Und großem Leid zu Boden stößt.

5  Gleichwie ein Schatten sind dahin
All meine Tag elendiglich,
Wie Gras sie gar verdorret sind,
Doch bleibest du, Gott, ewiglich,
Herr, mach dich auf, in Gnad bereit,
Und über Zion dich erbarm,
Die Stund ist da und rechte Zeit,
Dass du mir hilfst durch deinen Arm.

6  Das ist der Wunsch der Knechte dein,
Dass Zion doch gebauet wär,
Bereitet für die heilig Gmein,
Auf dass erschein des Herren Ehr,
Die Heiden fürchten deinen Nam'n,
Auch alle König hier auf Erd
In deinem Ehrendienste stahn,
Darum Zion erbauet werd.


 

7  Herr, lass erscheinen deine Ehr,
Und nimm doch die Verlassnen auf,
Zu ihrer Bitt in Gnad dich kehr,
Verschmäh nicht der Elenden Hauf,
Dass man predig künftiger Zeit
Denen, die dein Volk worden sein,
Wie groß sei dein Barmherzigkeit,
Und all Welt lob den Namen dein.

8  Der Herr schauet vom Gnadenthron,
Er sieht vom Himmel auf die Erd
Und nimmt sich der Gefangnen an,
Dass ihr Seufzen erhöret werd,
Des Todes Kinder macht er frei
Und lässt im Schwang die Predigt gehn,
Des Herren Name steht uns bei,
Sein Lob ist zu Jerusalem.

9  Die Völker kommen all herzu,
Die Königreich beisammen sind,
Zu gehen in des Herren Ruh,
Da man in reiner Furcht ihm dient,
Der Herr sehr meine Kräfte schwächt,
Verkürzt mir auch die Tage mein,
Ich sprech: mein Gott, nimm mich nicht weg,
Eh ich empfind die Gnade dein.

10  Für und für währen deine Jahr,
Du hast vorhin die Erd gegründt,
Die Himmel und der Sternen Schar
Allsamt deiner Hände Werke sind,
Sie all vergehn, allein du bleibst,
Machst sie zunicht durch deine Hand,
Gleich wie zuletzt ein Kleid zerreißt,
Oder veraltet ein Gewand.

11  Du aber bleibest immerdar,
Wie du gewest von Anfang her,
Kein Ende nehmen deine Jahr,
Ewig besteht dein Ruhm und Ehr,
Die Kinder auch der Knechte dein,
Die im Glauben gehorchen dir,
Ihr Same wird vor dir gedeihn,
Sie werden bleiben für und für.

German.png German text

Original spelling:
1  Hör mein Gebet/ und laß zu dir/
Ach HErr Gott/ kommen mein Geſchrey :/:
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir/
In Noth dein Ohren zu mir neig/
Wenn ich anruff/ bald mich erhör/
Denn meine Tag vergangen ſind/
Gleichwie die Lufft den Rauch verzehrt/
Das Fewr deins Zorns hat mich entzünt.

2  Zerſchlagen iſt mein trawrigs Hertz/
Verdort wie Graß auff dürrer Heyd :/:
Das ich vergeß für groſſem Schmerz/
Mein Brod zu eſſen in dem Leid/
An meinem Fleiſch klebt mein Gebein/
Für Heulen und für Seufftzen ſchwer/
Ich mus wie eine Rohrdommel ſeyn/
Die in der Wüſten ſtreicht umbher.

3  Gleichwie ein Kützlein ſchreyt des Nachts/
Das in verſtörten Städten wohnt :/:
Alſo mein Hertz iſt immer wach/
Kein Schlaff in meine Augen kompt/
Gleichwie ein Vogel auff dem Dach
Gantz trawrig ſitzt in Einſamkeit:
Alſo mus ich täglich in Schmach
Zubringen mein betrübte Zeit.

4  Ich bin der Feinde Hohn und Spot/
Bey meinem Elend ſchwern ſie friſch :/:
Denn ich wie Aſchen eß mein Brot/
Mit Weinen ich mein Tranck vermiſch/
Das macht/ O Gott/ dein Zorn und Grimm/
Der du zu Ehren mich erhöhſt
Und doch ſo bald mit Ungeſtüm
Und großem Leid zu Boden ſtöſt.

5  Gleichwie ein Schatten ſind dahin
All meine Tag elendiglich :/:
Wie Graß ſie gar verdorret ſind/
Doch bleibeſtu Gott ewiglich/
HERR mach dich auff in Gnad bereit/
Und uber Zion dich erbarm/
Die Stund iſt da und rechte Zeit/
Daß du mir hilffſt durch deinen Arm.

6  Das iſt der Wundſch der Knechte dein/
Daß Zion doch gebawet wer :/:
Bereitet für die heilig Gmein/
Auf das erſchein des HErren Ehr/
Die Heyden fürchten deinen Namn/
Auch alle König hie auff Erd
In deinem Ehrendienſte ſtahn/
Darum Zion erbawet werd.


 

7  HERR/ laß erſcheinen deine Ehr/
Und nimb doch die Verlaſſnen auff :/:
Zu ihrer Bitt in Gnad dich kehr/
Verſchmeh nicht der Elenden Hauff/
Das man predig künfftiger Zeit
Denen/ die dein Volck worden ſeyn/
Wie gros ſey dein Barmherzigkeit/
Und all Welt lob den Namen dein.

8  Der HERR ſchawet vom Gnadenthron/
Er ſiht vom Himmel auff die Erd :/:
Und nimpt ſich der Gefangnen an/
Daß ihr Seufftzen erhöret werd/
Des Todes Kinder macht er frey
Und leßt im Schwang die Predigt gehn/
Des HERREN Name ſteht uns bey/
Sein Lob iſt zu Jeruſalem.

9  Die Völcker kommen all herzu/
Die Königreich beyſammen ſind :/:
Zu gehen in des HERREN Ruh/
Da man in reiner Furcht ihm dient/
Der HERR ſehr meine Kreffte ſchwecht/
Verkürzt mir auch die Tage mein/
Ich ſprech: mein Gott/ nim mich nicht weg/
Eh ich empfind die Gnade dein.

10  Für und für währen deine Jahr/
Du haſt vorhin die Erd gegründt :/:
Die Himmel und der Sternen Schaar
Allſampt deiner Hände Werke ſind/
Sie all vergehn/ allein du bleibſt/
Machſt ſie zunicht durch deine Hand/
Gleich wie zuletzt ein Kleid zerreiſt/
Oder veraltet ein Gewand.

11  Du aber bleibeſt immerdar/
Wie du geweſt von Anfang her :/:
Kein Ende nehmen deine Jahr/
Ewig beſteht dein Ruhm und Ehr/
Die Kinder auch der Knechte dein/
Die im Glauben gehorchen dir/
Ihr Same wird für dir gedeyn/
Sie werden bleiben für und für.